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Rheinhessischer Turnerbund e.V.
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Fit im Kopf durch Sport

Gleichgewichts- und Krafttraining kann Demenz-Symptome lindern

03Das Gehirn ist viel flexibler, als Wissenschaftler das noch vor 25 Jahren für möglich gehalten haben. Die Forscher glaubten früher, dass sich die Gehirnstruktur in der Kindheit aufbaut und während des gesamten Erwachsenenlebens genauso erhalten bleibt. Im Alter, so die damalige Meinung der Experten, lassen die geistigen Fähigkeiten automatisch nach, weil die Gehirnzellen langsam, aber kontinuierlich absterben. Heute weiß man: Unsere grauen Zellen sind in der Lage, sich neuen Herausforderungen anzupassen und sich immer wieder neu zu vernetzen – bis ins höchste Alter.

Sportart entscheidend

Zahlreiche Studien belegen, dass Bewegung bei diesen Entwicklungsprozessen im Gehirn eine wichtige Rolle spielt. So werden während körperlicher Aktivität verstärkt spezielle Eiweiße produziert, die das Nervenwachstum im Gehirn fördern. Die Folge: Die Gehirnzellen bauen mehr Verbindungen untereinander auf, die Nervenzellnetzwerke werden komplexer, das Denken funktioniert besser. Wenn ältere Menschen geistige Aufgaben erledigen, müssen sie in der Regel dazu größere Hirnareale einsetzen als Jüngere. Dies gilt jedoch nicht für Ältere, die sich viel bewegen. Ihre Gehirnaktivierung entspricht der der Jungen.

08CTatsächlich fördert sanfter Ausdauersport wie beispielsweise zügiges Spazierengehen die Durchblutung des Gehirns um etwa 20 Prozent; intensiver Ausdauersport, wie Joggen, bringt rund 30 Prozent. Dadurch gelangt mehr Sauerstoff in die grauen Zellen, was kurzfristig wie ein Energie-Kick für das Denken wirkt. Wer sich regelmäßig bewegt, zum Beispiel täglich spazieren geht, sorgt dafür, dass sich nicht nur in den Muskeln und im Herzen neue kleine Blutgefäße bilden, sondern auch im Gehirn. Dadurch werden auch in Ruhe die verschiedenen Hirnareale besser mit Nährstoffen versorgt und leistungsfähiger. Wer regelmäßig aktiv ist, tut auch viel für die Gesundheit seines Gehirns: Studien beweisen, dass sportlich aktive Menschen ein um 30 Prozent geringes Risiko haben, im Alter an Demenz zu erkranken.

Allerdings fördert nicht jede Art von Bewegung die grauen Zellen. Positive Effekte auf das Denken haben Ausdauersport, Koordinationsübungen oder ein Multi-Tasking-Training, bei dem Bewegungsübungen mit Denkaufgaben verknüpft werden. Keine positiven Wirkungen auf das Denken konnten beim Stretching oder bei anderen ruhigen Übungen festgestellt werden, die den Stoffwechsel nicht in Schwung bringen.

Alltagsfunktionen stärken

Selbst, wenn eine dementielle Erkrankung bereits ausgebrochen ist, wirkt Bewegung sich positiv auf den Krankheitsverlauf aus. Durch ein gezieltes Bewegungstraining bleiben körperliche Alltagsfunktionen, wie das Gehen, Treppe steigen, Aufstehen oder Hinsetzen länger erhalten. Eine Demenz wirkt sich in der Regel auch auf die Motorik aus. foto 96-img 0767So gehen Menschen mit Demenz unsicher, sie machen kleine Schritte, bei denen die Füße sehr lange am Boden bleiben. Dadurch wird der Gang insgesamt unharmonisch und das Sturzrisiko ist im Vergleich zu gesunden Menschen im gleichen Alter um das Drei- bis Vierfache erhöht.

Wenn diese Menschen jedoch ihre Standsicherheit durch Gleichgewichts- und Krafttraining fördern, kann das Sturzrisiko deutlich reduziert werden. Wenn Menschen mit Demenz sich bewegen, wirkt sich das auch auf typische Symptome der Erkrankung positiv aus. Zum Beispiel verbessern sich das Schlafverhalten und die motorische Unruhe. Die Körperwahrnehmung bleibt länger erhalten und – das wichtigste von allem – Bewegung erhält die Lebensfreude und die Lebenslust.